Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat seine Broschüre “Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2025” veröffentlicht. Sie zeigt, wo Deutschland im Vergleich zu anderen Industrie- und EU-Staaten steht. Für Unternehmer, Selbstständige und Arbeitnehmer liefert die Auswertung interessante, teils ernüchternde Zahlen.
Gesamtbelastung: Deutschland im Mittelfeld
Die sogenannte Abgabenquote, also der Anteil von Steuern und Sozialabgaben am Bruttoinlandsprodukt, lag in Deutschland im Jahr 2024 bei 38,0 Prozent. Damit bewegt sich die Bundesrepublik im mittleren Bereich der OECD-Staaten. Skandinavische Länder, Belgien, Frankreich und Österreich liegen teils deutlich über 40 Prozent. Deutlich niedriger sind die Quoten in Irland, der Schweiz und den USA, die alle unter 30 Prozent rangieren.
Den Abgaben stehen in Deutschland allerdings umfangreiche staatliche Leistungen gegenüber, darunter ein ausgebautes Sozialversicherungssystem, breiter Zugang zur Gesundheitsversorgung und ein weitgehend öffentlich finanziertes Bildungssystem.
Unternehmensbesteuerung: Fast Spitzenplatz weltweit
Besonders auffällig ist die Belastung für Kapitalgesellschaften. Wer in Deutschland eine GmbH oder AG betreibt, zahlt aus Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag zusammen einen nominalen Steuersatz von 30,13 Prozent. Damit liegt Deutschland im weltweiten Vergleich sehr weit oben. Nur Japan mit 30,42 Prozent und Malta mit 35 Prozent übertreffen diesen Wert. Die meisten anderen Industriestaaten besteuern Unternehmensgewinne mit unter 25 Prozent, Frankreich, die USA und das Vereinigte Königreich liegen zwischen 25 und 27 Prozent.
Werden zusätzlich Dividendenausschüttungen an Privatpersonen eingerechnet, steigt die Gesamtsteuerbelastung in Deutschland auf 48,56 Prozent. Auch das ist international ein Spitzenwert. Die Bundesregierung hat mit dem sogenannten Wachstumsbooster bereits Gegenmaßnahmen angekündigt: Die Unternehmenssteuerbelastung soll bis 2032 schrittweise auf rund 25 Prozent sinken.
Arbeitseinkommen: Zweithöchste Belastung im OECD-Raum
Auch Arbeitnehmer und Arbeitgeber spüren die hohe Abgabenlast. Der sogenannte Steuer- und Abgabenkeil, der das Verhältnis aller Abgaben auf Arbeit zu den gesamten Arbeitskosten beschreibt, beträgt in Deutschland 49,3 Prozent. Das ist der zweithöchste Wert im gesamten OECD-Vergleich, nur Belgien liegt mit 52,5 Prozent noch höher. Mehr als zwei Drittel dieser Belastung entfallen dabei auf Sozialabgaben, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam schultern.
Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener ohne Kinder gibt 38,7 Prozent seines Bruttolohns für Steuern und Sozialabgaben aus. Familien werden steuerlich deutlich besser gestellt: Ein Alleinverdienerhaushalt mit zwei Kindern kommt nach Anrechnung des Kindergeldes auf einen durchschnittlichen Abgabensatz von nur 21,3 Prozent.
Geplante Entlastungen ab 2027
Für 2027 plant die Bundesregierung eine Einkommensteuerreform, die insbesondere kleine und mittlere Einkommen entlasten soll. Parallel wird angestrebt, die Sozialversicherungsbeiträge zu stabilisieren, um Arbeitsanreize zu stärken.
Was bedeutet das für Mandanten? Wer als Unternehmer, Gesellschafter oder Arbeitnehmer wissen möchte, wie sich die aktuelle Steuerbelastung konkret auf die eigene Situation auswirkt und welche Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, sollte das Gespräch mit einer Fachanwältin für Steuerrecht oder einem Steuerberater suchen.
Quelle: Haufe: Steuer
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